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Ein Dorf verändert sich: Rettenbach in den letzten 100 Jahren

Ein Dorf verändert sich: Rettenbach in den letzten 100 Jahren

Heute steht es einsam und verfällt zusehends:

Das ehemalige Lebensmittelgeschäft im Herzen des Dorfes, gleich neben der Kirche. Lange Jahre stand Maria Stangl dort hinter dem Ladentisch. Im vergangenen Jahr ist sie verstorben, aber für sich selbst hat sie die Entwicklung ihres Wohn- und Geschäftshauses über die Jahre in vielen Fotos dokumentiert.

1958 steht auf der Rückseite des ersten Fotos: Die Sonne scheint, gut angezogene Menschen flanieren auf der Dorfstraße, ein Auto fährt um die Ecke (vorsichtig, hoffen wir), und es ist wahrscheinlich gerade um die Mittagszeit: Der Umriss des Friedhofseingangs zeichnet sich als Schatten auf der Gartenmauer ab. Und was gab es zu kaufen? Coca-Cola offenbar, und Underberg, Pril und Zigaretten. Das blaue Schild zeigte, dass es im Laden eine Annahmestelle für eine Reinigung gab.

Fast 30 Jahre später haben Maria und Anna Stangl ihren Laden wieder fotografiert: Februar 1983 steht auf der Rückseite der zweiten Aufnahme. Die Front ist völlig umgebaut, viel mehr Schaufenster gibt es nun und viel weniger Schilder an der Wand, und man nennt sich selbstbewusst „Lebensmittel Stangl“. In den großen Schaufenstern sind, paarweise und ordentlich wie stolze Schüler auf ihrem Abschlussball-Foto, Flaschen aufgereiht. Für den Fasching? Bier? Wein? Sekt? Apfelsaft?! Das kann man auf dem Foto leider nicht mehr lesen.

Aber eines ist sicher: Die Flaschen im Schaufensterwaren immer leer oder nur mit Wasser aufgefüllt. Die Kunden sollten nichts kaufen, worauf vielleicht schon wochenlang die Sonne gebrannt hatte. Aber auch kürzere Sonnenzeiten sind nicht immer ungefährlich, wenn in der Flasche Kohlensäure ist. Wenn Sie heute also zum Getränke kaufen fahren, machen Sie es wahrscheinlich sicherheitshalber auch wie Maria Stangl: Die Flaschen kommen in den Kofferraum, nicht auf die Rückbank, wenn die Sonne scheint.

Sie haben auch Bilder aus der Geschichte von Rettenbach, die wir als Scan ins Gemeindearchiv aufnehmen dürfen? Dann kontaktieren Sie Albert Wagner, Gemeindearchivar, Tel. 09462-1674

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  • Lebensmittel Stangl